La dolce vita & Jollensegeln – Elba 2010

polaroid(Ein Beitrag, der gerade ganz besonders gut passt: Morgen geht es wieder nach Elba zum Segeln!)

Ich kämpfe verzweifelt gegen meine aufsteigende Panik an. Das Segelboot, in dem ich saß, kippt unaufhaltsam und das Wasser kommt immer näher. „Halt, ich will nicht mehr kentern!“ Aber zu spät, ich liege schon drin, in voller Montur. Unsere Segellehrerin Bea kommt mit ihrem Motorboot angetuckert. “Und, Kristin, ist das Wasser warm?” – “Ja.” – “War das jetzt schlimm mit dem Kentern?” – “Nein.”

Mein Bruder war indirekt an diesem unfreiwilligen Bad in der Buch von Portoferraio Schuld. Er hatte mir so begeistert von seinem Aufenthalt an der Yachtschule des DHH auf Elba erzählt, dass ich nicht umhin kam, 2010 selber einen Segelkurs dort zu buchen. Mein erster “richtiger” Urlaub seit langem (davor war es meistens auf ein verlängertes Wochenende bei meinen Eltern an der Ostsee hinausgelaufen). Vorkenntnisse hinsichtlich des Segelns hatte ich ja schon und auch den DHH kannte ich von einem Grundkurs auf dem Chiemsee im Sommer 1994. In Kombination mit dem mediterranen Klima und dem italienischen Lebensgefühl konnten diese zwei Wochen auf Elba eigentlich nur der Knaller werden.

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Jollen in der Bucht

Die Anreise von Hamburg gestaltete sich aufwändig, was auch erklärt, warum die Insel im toskanischen Archipel touristisch noch recht unberührt wirkt. Mit großem Amüsement erlebte ich zum ersten Mal die Zeltdach-Abflughalle im Flughafen Lübeck und eine “Kaffeefahrt up in the air” mit dem bekannten Billigflieger aus Irland. Aber besonders im Gedächtnis blieb die wunderbare Schleife über das blaue Mittelmeer im Anflug auf Pisa. Jawoll, so hatte ich mir das vorgestellt.

Zugfahren ist in Italien ja wirklich ein Schnäppchen. Auch wenn die Züge etwas ranzig sind und auch wenn wir in Campiglia Marittima noch in einen Bus umgeschichtet werden, finde ich 9 EUR für knappe zwei Stunden sehr fair. Die 1-stündige Fährfahrt ließ sich direkt am Terminal buchen, und das, nachdem ich mich vorher natürlich völlig verrückt gemacht habe, ob das wohl klappt. Nö, war ganz umsonst, ich schipperte schneller los als ich gucken konnte. Und das Urlaubsfeeling intensivierte sich.

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Abendstimmung in der Bucht von Portoferraio

Intensiv war auch mein knallrotes Gesicht, als ich am allerersten Tag vor versammelter Mannschaft erst mal ins Wasser fiel. Im Hafen. Ohne überhaupt losgesegelt zu sein. Unnötig zu erwähnen, dass 1) mich beim Wiederauftauchen schallendes Gelächter erwartete und 2) danach jeder im Kurs schon mal wusste, wer ich bin. Geschadet hat es meinem Start in der Gruppe nicht – viele waren zwar um einiges jünger, aber wir kamen alle ganz gut miteinander klar. Gemeinsame Abende auf der großen Hotelterasse, gegenseitiges Abfragen des Theoriestoffes für den Sportbootführerschein Binnen, Fahrten in die umliegenden malerischen Orte, abendliches Baden an der Mole, Pizzaabend im Schwesterhotel “La tirrena” – all’ das schweißte uns als Gruppe sehr zusammen.

Beim Segeln gab es – neben der Kenterübung und dem Bad im Hafenbecken – doch die eine oder andere Herausforderung zu bewältigen. So landeten meine Mitseglerin Felicitas und ich zur Belustigung der Gruppe am 3. Tag ganz klassisch auf der ufernahen Sandbank und brauchten anfangs Anfahrversuche im zweistelligen Bereich, um endlich an der Boje festmachen zu können. Aber Übung macht bekanntlich den Meister.

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Der kleine Hafen der DHH-Yachtschule

Eine Geschichte, die ich auch immer wieder gern erzähle, ist die von unserer Praxisprüfung. Der Zeitplan war, wie meistens bei solchen Terminen, hoffnungslos ins Hintertreffen geraten, ich war irgendwie in die letzte Prüfungsgruppe gerutscht und heilfroh, das Motorbootfahren gut hinter mich gebracht zu haben (tatsächlich klappte Boje-über-Boot zu meinem großen Erstaunen auf Anhieb). Der Wind hatte im Tagesverlauf deutlich zugenommen, sodass Felicitas und ich uns zum ersten Mal entschieden, auf unserer Tridente-Jolle zu reffen (für Landratten: Die Großsegelfläche zu verkleinern, sorgt für ein ruhigeres Leben bei viel Wind). Prompt flog mir bei dieser ungewohnten Aktion die Mütze vom Kopf. Feli wollte direkt hinterher, aber wir mussten in unserer Prüfung und das aufgrund der fortgeschrittenen Zeit sofort. Es kam, wie es kommen musste – mitten in der Prüfung (Feli war an der Pinne) entdeckten wir meine schwimmende Mütze, vergaßen alles und starteten ein spontantes Mütze-über-Bord-Manöver. Dieses wäre auch von Erfolg gekrönt worden, hätte ich an den Bordshaken gedacht. Aber dennoch gab es ein Happy-End: Wir konnten die Mütze noch auffischen, bevor sie Portoferraio erreichte…

An meinen ersten Sommer auf Elba denke ich immer noch supergern zurück. Viele tolle Momente, viele schöne Begegnungen, super Segelerlebnisse gekrönt vom Regattasieg am letzten Tag und ein generelles Laid-back-Feeling im mediterranen Bella Italia. Herrlich.

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